Fern-Freundschaft

Fernbeziehungen sind schwierig aber machbar. Woran aber oftmals niemand denkt – genauso ist es mit Freundschaften.

Es ist harte Arbeit, eine Freundschaft aufrecht zu erhalten, wenn man selbst im Ausland oder in einer anderen Stadt oder die beste Freundin weg ist. Selbst wenn man unzertrennlich und wie Schwestern ist – eine Freundschaft ist – genau wie eine Beziehung – Arbeit. Und liegen zwischen einem mehrere hundert oder tausend Kilometer, wird es nicht gerade einfacher.

Plötzlich kann man sich nicht jeden Tag/ jede Woche sehen & aufgrund von Zeitverschiebungen nicht einfach immer telefonieren oder whatsappen. Wenn man die beste Freundin bei Liebeskummer oder anderen Sorgen braucht, ist sie weit weg und kann nicht mit Eis und Wein vor der Tür stehen. Bei coolen Parties ist sie nicht dabei & sie hat auch keine Ahnung von dem Typen, den du kennen gelernt hast und so toll findest.

Klar, selbst wenn man sich nicht jeden Tag sieht & spricht, bleibt eine wirklich gute Freundschaft bestehen. Aber sind wir ehrlich – es ist nicht immer einfach und die Freundschaft verändert sich auch. Entweder sie wird stärker, oder aber sie lässt nach und man ist sich vielleicht nicht mehr so nah wie man es mal war. Wenn man dann wieder aufeinander trifft – seien es ein paar Monate, ein halbes oder ein ganzes Jahr – ist es anders. Definitiv anders – vielleicht besser weil ihr euch durch die Distanz viel näher gekommen seid, vielleicht schlechter, weil ihr euch beide verändert habt und nicht mehr die selben Werte & Einstellungen habt.

So, oder so, bei einer Fern- Freundschaft steht das Vermissen an oberster Stelle. Ich persönlich habe schon viele Freunde verloren & dafür wieder neue gewonnen. Immer wieder schlägt man neue Wege ein, auf denen die Freunde einen vielleicht nicht begleiten. Sei es ein Schulwechsel, ein Umzug oder ein vorübergehender Auslandsaufenthalt – diese Schritte beeinflussen eine Freundschaft immens. Man muss sich bewusst machen, dass Freunde kommen & gehen. Man wird nicht mit allen Kindergarten Freundinnen für immer gut befreundet sein und ständig in Kontakt stehen. Genauso mit Schul- und Studiums Freunden. Mit der Zeit findet man heraus, welche Freunde es Wert sind, eine Stunde mitten in der Nacht zu telefonieren weil es die Zeitverschiebung es nicht anders erlaubt, obwohl man eine stressige Woche hatte & eigentlich den Schlaf braucht. Aber hey – hat nicht jeder auch die eine Freundin, mit der alles ist wie früher, obwohl man sich sehr lange nicht gesehen oder gesprochen hat?!

Dank WhatsApp, Facetime, Skype, iMessage etc ist es heute viel einfacher, in Kontakt zu bleiben als früher. Eine „Ich vermisse dich“- Nachricht ist per WhatsApp schnell getippt & versendet. Mein Tipp sind allerdings WhatsApp Sprachnachrichten – nach einem langen Tag im Büro habe ich oft keine Lust, lange Texte zu tippen & ich rede sowieso total gerne. Oftmals verquatsche ich mich & meine Freundinnen müssen sich 10 Minuten lange Nachrichten von mir anhören – tut mir Leid an dieser Stelle. Meiner Meinung nach hat man dafür aber immer Zeit – man muss sie sich eben einfach nehmen wenn man eine Freundschaft aufrecht erhalten möchte. Ohne Zeit und etwas Arbeit (Arbeit, die doch auch Spaß macht – es geht immerhin um Freundschaft) wird es nämlich schwierig, aber so ist es ja auch in einer nicht-fernen Freundschaft.

Was ich mache, um meine Freundschaften zu pflegen, obwohl ich in Australien bin & meine Freundinnen überall in Deutschland verteilt? Ich bin kein Fan von Skype, aber WhatsApp ist meine Rettung. Morgens beim Aufstehen lese ich alle Nachrichten, auf dem Weg zur Arbeit im Zug beantworte ich einige, den Rest dann auf dem Heimweg. Abends wenn ich nach Hause komme, ist es in Deutschland dann morgens & ich kann mit meinen Lieben schreiben oder telefonieren. Natürlich kann ich nicht jeden Tag mit jedem Kontakt halten – braucht man ja auch gar nicht. Aber ab & zu scrolle ich dann durch meine Whatsapp Kontakte & Chats und denke – X sollte ich unbedingt mal wieder schreiben! Manchmal wird mir WhatsApp auch zu viel & ich fühle mich irgendwie unter Druck gesetzt. Aber dann markiere ich die Nachrichten einfach als ungelesen & wenn ich dann am Wochenende einen ruhigen Moment finde, „arbeite“ ich alles ab.

Freunde sind neben der Familie das wichtigste im Leben – weshalb man sich immer die Zeit nehmen sollte, für seine Freunde da zu sein, selbst wenn man weit weg ist.

 

 

 

Header 16 03 20

numinous 16 03 20

Über den Begriff „Numinous“ bin ich erst vor Kurzem gestolpert & es wurde sofort mein „Lieblingswort“. Okay, ein Lieblingswort zu haben ist etwas merkwürdig, ich gebe es zu.
Aber die Bedeutung des Wortes ist SO zutreffend auf mein Leben & ich wette, vielen von euch geht es auch so, oder?
Es ist doch wahr – so oft im Leben haben wir Angst vor einem neuen Lebensabschnitt oder auch nur einem kleinen Schritt den wir wagen wollen, gleichzeitig sind wir fasziniert von dieser Idee oder Erfahrung. Wir sind eingeschüchtert, weil wir nicht wissen oder ahnen können, was kommen oder passieren wird, aber gleichzeitig zieht uns das Neue an. Überwältigt und gleichzeitig inspiriert von einer neuen Erfahrung.
Für mich hat dieses eine Wort so viel Bedeutung und ich kann es total gut auf mein Leben und vor allem meine Wanderlust (noch ein „Fremdwort“) beziehen. Ich habe sogar kurz überlegt, es mir auf’s Handgelenk tattoowieren zu lassen…

Ein kurzer Rückblick für euch: Ungefähr heute vor einem Jahr hatte ich die fixe Idee, nach meinem Studiums Abschluss für ein Praktikum ins Ausland zu gehen bevor ich in Deutschland einen Master anfange oder einen Job suche. Ich fing an, mich zu informieren und meine Pläne wurden immer konkreter.
Irgendwann im Sommer kamen die ersten Zweifel – Ist das wirklich eine gute Idee? Soll ich wirklich ganz alleine ans andere Ende der Welt fliegen wo ich niemanden kenne und wo ich vorher noch nie war? Bringt mir ein Praktikum im Ausland wirklich etwas für meine berufliche Zukunft? Werde ich meine Familie & Freunde nicht zu sehr vermissen? Werde ich in der Zeit wirklich herausfinden, was ich später machen möchte und wo ich hingehöre? Klein Lisi alleine in Australien? Haben meine Eltern Recht und ein Praktikum in Deutschland würde mir viel mehr bringen, evtl. sogar eine Übernahme und Festanstellung im Anschluss an das Praktikum? So viele Fragen und Zweifel und ich hatte Angst, diesen Schritt wirklich zu gehen.
Letztendlich habe ich aber meine Zweifel und Sorgen über Bord geworfen, habe meinen Flug gebucht, einen Praktikumsplatz gefunden, meine Wohnung untervermietet & mich im Oktober letzten Jahres auf die 36- stündige Reise in ein neues Leben gemacht. Ich wusste, dass ich die Entscheidung im Endeffekt nicht bereuen werde. Und tadaaa – seit dem 1. Tag hier sind alle Zweifel und Sorgen wie weg geflogen. Ich habe mich sofort in Sydney verliebt und habe tolle neue Menschen kennen gelernt von denen ich so viel lernen konnte. Natürlich hatte ich auch Angst vor meinem 1. Tag im Praktikum und war eingeschüchtert – bisher hatte ich nie Glück mit meinen Praktika und habe mich meist ehr gelangweilt – aber hey – es war ein absoluter Glückstreffer und heute, nach knapp 6 Monaten, sprechen wir tatsächlich über eine Festanstellung. Was total verrückt ist und ich kann es auch noch gar nicht glauben, dass ich eventuell tatsächlich nach Australien auswandere und nicht, wie geplant, nach Deutschland zurück gehe. Und ratet, wie ich mich wieder mal fühle – „Numinous“. Ich freue mich wahnsinnig über diese Chance – wie könnte ich dazu Nein sagen?! Ich liebe meinen Job, mein Team, den Lifestyle hier – ich liebe mein Leben hier.
Allerdings ist es ein riesen riesen großer Schritt und vielleicht wird es nicht so toll, wie erhofft? Vielleicht vermisse ich irgendwann meine Familie und Freunde zu sehr, vielleicht möchte ich einfach mal an einem Sonntag bei meinen Eltern zum Frühstück vorbei kommen, oder vielleicht halte ich irgendwann den ganzen Stress bei der Arbeit nicht mehr aus. Was, wenn es schief geht? Was, wenn meine Zeit hier momentan nur so toll ist, weil mein Rückflug bereits gebucht ist?
Ich habe Angst, diesen Schritt wirklich zu gehen. Es ist ein Traum, ja – aber jetzt wo er vielleicht in Erfüllung geht, kommen mir Zweifel. Aber ich versuche es, ich versuche das sponsored visa zu bekommen denn ich weiß, dass ich es bereuen werde, diese Chance nicht genutzt zu haben. Wenn es nicht klappt, geh ich einfach wieder zurück nach Deutschland in 1 – 2 Jahren. Es gibt immer ein Zurück. Aber wisst ihr was? Ehrlich gesagt glaube ich, dass es eine tolle Erfahrung wird und genau das Richtige für mich sein wird. Genau wie die Entscheidung, überhaupt erst hier her zu kommen.

Ich wette, ihr könnt den Begriff „Numinous“ sicher auch auf euer Leben und eure eigenen Erlebnisse und Erfahrungen beziehen, oder? Habt ihr vielleicht auch einen großen Schritt gewagt oder habt ihr euch vielleicht einfach nur dazu entschlossen, einen Fallschirm oder Bungee Sprung zu machen? Ich habe noch sooo viele Beispiele und seit ich das Wort kenne, versuche ich es mir immer wieder in den Kopf zu bringen und mir klar zu machen, dass es zwar okay ist, Angst vor einer neuen Situation zu empfinden, dass aber gerade diese Erfahrungen, vor denen man Angst hat, sich am meisten lohnen. Das Wort wurde somit schnell zu einem neuen Lebensmotto für mich und motiviert mich seitdem, Neues auszuprobieren und aus Erfahrungen zu lernen. Dabei ist mir klar – wenn es nicht klappt, gibt es eigentlich immer wieder einen Ausweg.